Bericht: Befreiungsfeier Lager Linz II (19. 5. 2010)
„Dem Hass keine Chance – gegen neue Feindbilder!“
„Lager um Lager hatte ich durchschritten. Und Tod und Grauen staffelte sich zu Bergen. Eine Hölle war schlimmer gewesen als die andere. Und ich sah viel. Ich habe die Mörderfäuste der Capos gesehen und zugeschaut, wie Kain den Abel erschlug. Ich habe das Fegefeuer und auch die Hölle gesehen. Was ich sah, das war nichts Gutes.“
Das sind Worte von Peter Edel, der in mehreren Konzentrationslagern inhaftiert war: Auschwitz, Sachsenhausen, Mauthausen, Redl-Zipf und schließlich in Ebensee befreit.
Bei der Befreiungsfeier für Mauthausen / Lager Linz II galt es auch für die SchülerInnen der 4. Klassen der Praxishauptschule der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz wieder, das Wort zu ergreifen. Da aber vieles nicht mit Worten ausgedrückt werden kann, wurden sehr unterschiedliche Ausdrucksmittel für eine abermalige Annäherung an Mauthausen ausgewählt. In einer szenischen Darstellung unter dem Titel „Ecce homo – seht, welch ein Mensch – ein Kreuzweg in 8 Stationen“ wurden ausgewählte Leidensgeschichten und Opferschicksale in sehr berührender Weise dargestellt.
Unter dem Titel „Erinnern und gedenken“ wurden Eindrücke von der Exkursion der SchülerInnen der 4. Klassen in die Gedenkstätte Mauthausen präsentiert, die ein hohes Maß an Betroffenheit widerspiegelten, was im folgenden Beispiel gut zum Ausdruck kommt: „Was mir hier durch den Kopf geht, ist unbeschreiblich. Ich habe Bilder im Kopf, die sich wie eine Seuche ausbreiten. Ich habe schon viel über den Naziterror gehört, aber was hier passiert ist, das muss man erst in Gedanken fassen.“ (Moritz Chapman)
Eine Lesung des Salzburger Schauspielers Roland Schmid aus dem Buch „Wenn wir den Krieg verlieren“ von Helfried Hinterleitner gab Einblick in die Jugendzeit eines Steinmetzlehrlings in Mauthausen-Gusen mit erschütternden Details aus dessen Wahrnehmung in unmittelbarer Nähe zum Konzentrationslager.
Eine Präsentation bildnerischer Annäherungen an das Thema „Feindbilder“ von SchülerInnen der Praxishauptschule und Studierenden der Pädagogischen Hochschule verdeutlichte in einer sehr aufschlussreichen und eindringlichen Weise die Entstehung von Feindbildern und das teilweise ganz bewusste Schüren von Feindbildpropaganda in unserer Zeit und in unserer Umgebung.
Szenische Darstellungen und darauf bezogene Protestaktionen mit Spruchbändern und Aufrufen gegen die Schaffung neuer Feindbilder machten auf beklemmende Weise deutlich, wie rasch und gnadenlos auch heute noch Menschen ausgegrenzt und gedemütigt werden.
Musikalische Beiträge von den 4. Klassen der Praxishauptschule und einem Vokalensemble der Pädagogischen Hochschule trugen zu einer stimmungsvollen Umrahmung der Befreiungsfeier bei.
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